Das Feuer weitergeben: Nachwuchsförderung ist Zukunftssicherung!

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Radikale Umbrüche stehen uns bevor. Die Zukunftsszenarien für Kirche werden regelmäßig durch unsere kirchliche Bubble getragen. Eine wichtige Säule für die Zukunft der Kirche ist die Kirchenmusik. Hier müssen wir aktiv umdenken, damit diese Säule auch in Zukunft tragfähig und stabil bleibt. Ich bin überzeugt, dass wir diese Stabilität nur erreichen, wenn wir möglichst viele Schultern finden, die die Last tragen.  

Die Situation heute: Sinkende Zahlen

Es ist schon oft gesagt worden, aber man kann es nicht oft genug sagen: Wir stehen vor gewaltigen Umbrüchen in der Kirche. Kirche verliert an Bedeutung. In den nächsten Jahren werden immer weniger Menschen Mitglied der Kirche sein. Das bedeutet auch, dass es immer weniger Menschen geben wird, die bei uns aktiv sind. Das nagt am Fundament unserer Kirche. Dem können wir nur mit aktiver Nachwuchsförderung begegnen. 

Die zwei Dimensionen von Nachwuchsförderung

Ich bin davon überzeugt, dass Nachwuchsförderung immer zwei Dimensionen hat: Auf der einen Seite brauchen wir Nachwuchs auf der Orgelbank, im Posaunenchor oder im Vokalchor. Auf der anderen Seite brauchen wir aber auch Nachwuchs für die anderen Aufgaben in Kirche und Gemeinde. Ich bin mir sicher, dass wir beide Dimensionen immer zusammen sehen müssen. Nur so können wir uns als Kirche zukunftsfähig aufstellen. 

Kirchenmusik ist für Kirche der Zukunft mächtigstes Werkzeug

Ich erlebe in meinem Alltag immer wieder, wie Musik Menschen erreicht und berührt. Sie löst tiefe Emotionen aus. Diese Kraft der Musik gilt es zu nutzen. Als evangelische Kirche haben wir einen reichen Schatz an Musiker:innen, die eine tolle Arbeit leisten. Mit diesem Pfund müssen wir wuchern. Das geht meines Erachtens nur, wenn wir die bestehenden Strukturen erhalten oder sogar ausbauen. Weniger ist hier nicht mehr. Wir brauchen als Kirche Kirchenmusiker:innen, die im Hauptberuf andere für Musik begeistern. Umso mehr brauchen wir aber auch motivierte neben- oder ehrenamtliche Kirchenmusiker:innen, die vor Ort in jeder Kirchengemeinde begeistern wollen. 

Nachwuchsförderung ist eine zentrale Aufgabe

Wir als hauptamtliche Kirchenmusiker:innen müssen erkennen, dass Nachwuchsförderung für uns mehr ist als eine lästige Nebenaufgabe. Sie muss in unser Zentrum rücken. Wir machen eine tolle Arbeit, aber wir müssen den Menschen davon erzählen und ihr Interesse wecken. In unserer bisherigen Arbeit haben wir bereits Menschen in unseren Chören für die Musik begeistert. Jetzt geht es darum, noch mehr Menschen außerhalb dieser kleinen Gruppe anzusprechen. Und ich bin ganz sicher, dass wir dabei auch Menschen finden, die sich vor Ort in unseren Gemeinden auf anderen Ebenen engagieren wollen. 

Wir brauchen neue Konzepte

Es ist nicht nur bei mir so, dass es viele tägliche Aufgaben gibt. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein und überlegen: Was brauchen wir, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Und noch wichtiger: Was brauchen wir nicht? Ich will provozieren: Wir brauchen nicht in jeder dritten Gemeinde eine Kirchenmusikerin, die täglich zwei bis drei Stunden Orgel übt. Aber wir brauchen umso mehr Kirchenmusikerinnen, die Zeit und Lust haben, Orgelunterricht zu erteilen. Wir brauchen Kirchenmusiker, die Zeit haben, neue Ideen in der Chorarbeit zu entwickeln und mit Gruppen zu arbeiten.

Nachwuchsförderung muss Dienstaufgabe werden!

Damit wir als Kirchenmusiker:innen dies schaffen können, brauchen wir Zeit. Neues zu entwickeln ist nur möglich, wenn wir Zeit haben und uns die Zeit nehmen, aktiv an Neuem zu arbeiten. Altes wird uns dabei sicher oft im Wege stehen. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen: Mit welchen Arbeitspaketen wollen wir uns in Zukunft weiter beschäftigen? Aber auch: Was wollen oder können wir in Zukunft nicht mehr bearbeiten? Viele Kolleg:innen klagen aktuell über zu viel Zeit am Schreibtisch. Hier muss es in den kirchenleitenden Gremien Lösungen geben, wie es zu Entlastungen kommen kann. Nur dann haben wir Kapazitäten für neue Ideen. 

Fazit: Nicht nur das Feuer der Kirchenmusik weitergeben – auch der Kirche

Ich bin mir sicher, dass wir nur durch ein radikales Umdenken auf möglichst allen Ebenen das Feuer für die Kirchenmusik weitergeben können. Vor Ort brauchen wir aktive Kirchenmusiker:innen, die gerne und dann auch gut arbeiten, und Gremien, die für Entlastungen sorgen. In unseren Köpfen muss ein Umdenken stattfinden: Nicht nur das Bewährte weitergeben, sondern aktiv an Neuem arbeiten. Wir werden sicher nicht alle für die Kirchenmusik begeistern können, aber vielleicht finden wir auch jemanden, der uns lieber am Schreibtisch etwas Arbeit abnimmt, als musikalisch aktiv zu werden.  


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