Kirche in schwierigen Zeiten: Kirchenmusiker:innen sind Menschenfischer!

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Jesus hat seine Jünger:innen als Menschenfischer bezeichnet. Sie sollen zu den Menschen gehen und ihnen die frohe Botschaft verkünden. Solche Menschenfischer brauchen wir heute mehr denn je. Meine These: Kirchenmusiker:innen sind dafür am besten geeignet. Gerade in schwierigen Zeiten sollten wir deshalb der Kirchenmusik einen besonders hohen Stellenwert einräumen. 

Die Kirche steht vor massiven Umbrüchen

Wir spüren es alle – unsere Kirche verändert sich schon heute ständig. Die Zahl der Kirchenaustritte schmerzt mich jedes Jahr aufs Neue. Aber es ist klar, dass sich dieser Prozess nicht mehr umkehren lässt. Die Kirchen steuern auf immer unruhigere Gewässer zu – das Menschenfischen wird immer schwieriger. 

Das werden wir jetzt erstmals auch finanziell spüren. Der angekündigte Rückgang der finanziellen Mittel wird in allen Landeskirchen ankommen. Das ist eine große Gefahr für die wichtige Arbeit, die wir in unserer Gesellschaft leisten. 

Keine Landeskirche wird sich dem auf Dauer entziehen können. Ja, wir stehen vor massiven Umbrüchen – und darauf müssen wir gemeinsam reagieren.

Wir müssen Menschen an Glaube und Kirche neu heranführen

Was können wir also tun? Wie können wir unsere Kirche nachhaltig und wirksam auf Kurs halten?

Das wirksamste Mittel: Wir müssen die Menschen wieder neu an Glaube und Kirche heranführen. 

In meiner beruflichen Praxis erlebe ich, dass Glaube und Kirche keine Selbstläufer mehr sind. Die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung 6 (KMU 6) bestärken mich in dieser These. Wir haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder wir vertrauen allein auf den Heiligen Geist. Der wird schon wehen, wo er will, und alles wird gut. Oder wir helfen dem Heiligen Geist ein wenig nach, gehen offensiv in die Gesellschaft und erzählen von unserer frohen Botschaft. Dann wird es uns auch gelingen, Menschen wieder für den Glauben und die Kirche zu gewinnen. 

Kirchenmusik begeistert und berührt Menschen 

Mein Weg zur Kirche und zum Glauben war die Musik. Ich erinnere mich gut, wie fasziniert ich als kleiner Junge von den Klängen unserer kleinen Orgel in der Dorfkirche meines Heimatortes Oberorke war. Wie sehr mich die Musik und das gemeinsame Singen berührt haben.

Wir alle in der Kirche haben uns irgendwann für die Musik begeistern lassen. Das Lied bei der Hochzeit, das Musikstück bei der Beerdigung eines lieben Verwandten. Das eine Lied aus dem Gesangbuch im Gottesdienst – oder auch das gemeinsame Singen am Lagerfeuer während der KU-Freizeiten. 

Musik lässt niemanden kalt. Musik ist der kürzeste Weg zu den Gefühlen der Menschen.

In einer Zeit, in der unsere Kirche vor großen Herausforderungen steht, brauchen wir die Musik mehr denn je. Denn Kirchenmusiker:innen sind echte Menschenfischer.  

An uns Menschenfischern wird gespart

Und doch wird gerade bei der Musik immer mehr gespart. In manchen Landeskirchen reiht sich Sparrunde an Sparrunde. Meine Landeskirche ist da noch eine Ausnahme – wofür ich sehr dankbar bin. 

Als aktive Kirchenmusiker:innen brauchen wir gute Rahmenbedingungen und auch finanzielle Ressourcen, um eine gute Arbeit leisten zu können. 

Leider sind die Kolleg:innen viel zu oft schon jetzt am Limit und sehen nicht, wie es zukünftig weitergehen kann. Bürokratische Maßnahmen und fehlende Mittel erschweren unsere Arbeit – und schränken die Kirchenmusik vor Ort immer mehr ein. 

Kirchenmusik ausbauen statt einsparen!

Wir müssen uns als Kirche fragen: Wollen wir weiterhin eine klingende Kirche sein? Wollen wir eine Kirche sein, in der die Kirchenmusik eine wichtige Säule des persönlichen Glaubens ist? Wollen wir eine Kirche sein, die Musik auch vor Ort anbietet?

Wenn ja, dann müssen wir die kirchenmusikalischen Möglichkeiten weiter ausbauen. Wir brauchen auch in Zukunft sowohl Menschen, die hauptberuflich für die Kirchenmusik unterwegs sind, als auch Menschen, die sich neben ihrem Beruf mit oft viel Herzblut der Kirchenmusik widmen. Unsere Kirche lebt gerade von diesen “Freizeit-Kirchenmusiker:innen”. 

Fazit: Kirchenmusik ist wirkungsvolle Verkündigung

Kirchenmusik ist Verkündigung. Das ist Konsens in der EKD. Damit dieser Satz aber mit Leben erfüllt wird, braucht es eine Kirchenmusik, die wirksam verkündigen kann. Auch wenn es schwerfällt – an der Kirchenmusik darf deshalb nicht gespart werden.  Hier liegt eine große Aufgabe für die Zukunft. Nur so kann es uns gelingen, auch in der Kirchenmusik zu Menschenfischern zu werden – und damit unsere Kirche nachhaltig zu stärken. 


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