5 Thesen zur Kirchenmusik 2050

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Wir müssen uns verändern. In 25 Jahren werden wir eine andere Kirche haben, als wir sie uns heute vorstellen können. Vieles wird dann nicht mehr funktionieren, sicher wird es auch Neues geben, das sich etabliert hat. Aber bei aller Veränderung dürfen wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Vielmehr sollten wir mit dem Sand am Fundament unserer Kirche weiterarbeiten. 

Update im Mai 2024: Meine fünf Thesen als Podcast-Epispde

Welche Zukunft wollen wir?

Die Zukunft haben wir selbst in der Hand. Viel zu oft reagiert die Kirche auf Entwicklungen, anstatt sie zu gestalten.  Wenn wir jetzt anfangen zu gestalten, können wir noch etwas bewegen und haben auch in 25 Jahren noch Menschen, die in und für unsere Kirche Musik machen. 

1. These: Kirchenmusik muss sich weiterentwickeln

Kirchenmusik ist kein Museum. Wir Kirchenmusiker:innen müssen uns auch weiterentwickeln. Viel Neues kommt derzeit auf uns zu, das kann überfordern. Aber es gilt, das Beste herauszufiltern und zu nutzen. Nicht alles, was aktuell ist, kann in die Zukunft getragen werden. 

Das war in der Geschichte nie anders: Die Musik von J.S. Bach, die ich und viele andere so schätzen, war nach seinem Tod ziemlich schnell vergessen. Der schier unüberschaubare Liederschatz des Barock und des Pietismus hat sich im Laufe der Jahrhunderte auf ein überschaubares Kernrepertoire reduziert. Ebenso haben sich die Neuen Geistlichen Lieder der ersten Stunde etabliert oder wurden verdrängt. So wird es eines Tages auch mit der Musik unserer Zeit sein. Es mag ein harter Prozess sein, aber es gibt wenig, was für die Ewigkeit ist. 

2. These: Qualität ist keine Frage des Abschlusses

Ich bin in einem Kirchenkreis tätig, in dem es in jeder Gemeinde ein musikalisches Angebot gibt. Neben mir arbeiten in den Gemeinden vor allem Menschen, die nicht hauptberufliche Kirchenmusiker:innen sind. Uns verbindet, dass wir alle mit Herzblut dabei sind und einen guten Job machen. Es kommt nicht auf den Abschluss an, um gute Qualität zu liefern. Es kommt auf die eigene Motivation an, einen guten musikalischen Job zu machen. Dazu braucht es vor Ort in den Gemeinden offene Leitungsgremien, die Freiräume für eine gute Arbeit schaffen.

3. These: Kirchenmusik muss uns als Kirche etwas wert sein

Qualität muss ihren Preis haben. Das sehe sicher nicht nur ich so. Wir werden in Zukunft weniger Mitglieder in der Kirche haben und auch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Der Trend der letzten Jahre wird sich nicht umkehren lassen. Umso mehr brauchen wir Kirchenmusiker:innen Menschen in den Kirchenleitungen, die sich für die finanzielle Zukunft der Kirchenmusik einsetzen. Bestimmt gilt es dabei auch neue Wege zu eröffnen, um Mittel zu bekommen. Trotz aller Umbrüche muss uns die Kirchenmusik auch in Zukunft etwas wert sein. Nur so können wir den gegenwärtigen Schatz der Kirchenmusik in unserer Kirche auf Dauer erhalten. 

4. These: Die Pluralität in Musik und Kirche ist ein Grund zum Feiern

Wir werden weniger werden, aber wir sind schon pluralisierter. Leider wird Kirchenmusik noch zu oft mit dem Singen jahrhundertealter Lieder in Verbindung gebracht. Aber es gibt so viel mehr: Kinderchöre, Bands, Gospelchöre und vieles mehr. Für mich ist das alles Kirchenmusik. Keiner von uns wird diese ganze Pluralität abbilden können. Umso mehr dürfen wir uns nicht als Konkurrenten sehen, sondern müssen die Vielfalt akzeptieren. Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns vereinzeln und dadurch noch kleiner werden. Jeder soll das tun können, was er gut kann.

5. These: Wir müssen unsere Begeisterung besser zeigen

Ich brenne für die Kirchenmusik und bin damit nicht allein. Aber viel zu selten teile ich meine Begeisterung mit anderen. Das ist ein Problem! Nur wenn wir alle unsere Begeisterung nach außen tragen, können wir auch neue Menschen erreichen. Das bedeutet auch, dass wir unsere Komfortzone öfter verlassen müssen, als uns lieb ist. Aber ohne wird es in Zukunft nicht gehen, sonst werden wir noch weniger. 

Fazit: Es braucht eine Mischung aus Bewahren und Aufbrechen

In Zukunft brauchen wir in der Kirche Strukturen, die eine Kirchenmusik mit Qualität auf allen Ebenen ermöglichen. Alte und bewährte Strukturen müssen wir auch finanziell erhalten können. Gleichzeitig muss es Freiräume geben, um neue Ideen zu entwickeln und auszuprobieren. Dabei spielt es keine Rolle, welche Art von Kirchenmusik wir machen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit muss die Begeisterung für die Musik stehen. Diese gilt es mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Dann wird die Kirchenmusik auch in 25 Jahren noch ein wichtiges Fundament unserer Kirche sein. 


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