Anfänge im Glauben ermöglichen

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Die Synode meiner Landeskirche hat auf ihrer letzten Sitzung beschlossen, dass in unserer Arbeit zukünftig ein Schwerpunkt auch auf dem Thema „Anfänge im Glauben“ liegen soll (hier erfährst Du dazu mehr). Diese Hinwendung zu Menschen, die nur noch selten in Berührung mit dem christlichen Glauben kommen, halte ich für genau richtig in einer Gesellschaft, die von Säkularisation geprägt ist.

Anfänge im Glauben – aber wo anfangen?

Als Kirchengemeinde haben wir vielfach Kontakt zu Menschen, die mit unserem Glauben keine bis wenig Berührungen mehr haben. Diese Menschen sitzen zum Beispiel bei Trauungen oder Beerdigungen. Auch im Gottesdienst zum Start des Schuljahres oder an St. Martin erlebe ich Eltern, die mit unseren Riten nichts verbinden. Außerdem habe ich auch in meinen Chören Mitglieder, die in erster Linie gerne mit mir Musik machen wollen. Für manche wird dies auch ein Ausdruck ihres Glaubens sein, einige holen sich dort bestimmt auch ihre „Portion Kirche und Gottesdienst“ für die Woche ab, aber es wird auch welche geben, die nur für die Musik da sind und mit Kirche sonst wenig zu tun haben wollen.

Die breite Masse in den Blick nehmen

Die verschiedenen Beispiele zeigen schon, dass wir als Kirche an vielen Stellen Angebote bieten sollten, um einen Zugang zu unserem Glauben zu ermöglichen. Immerhin haben wir hier verschiedene Kontaktflächen, bei denen Menschen zumeist freiwillig zu uns kommen. Diese Chancen müssen wir nutzen und davon erzählen, wo unser eigener Glaube uns trägt und wie er uns hilft. Bestimmt werden wir nicht aus allen sonntägliche Kirchgänger:innen machen können. Aber das sollte auch nicht unser Ziel sein. Viel wichtiger ist es doch, dass wir unsere Botschaft in die Herzen und Köpfe von Menschen bekommen.

Altes hinterfragen und zukunftsfähig machen

Kirche spricht gerne davon, einladend zu sein und offen für alle. Das ist ein schönes, buntes Bild, das aber in der Praxis meist verblasst. In Gottesdiensten setzen wir oft voraus, dass Menschen wissen, wie unsere tradierten Formen funktionieren und Bekenntnisse lauten. Gerade bei Taufgottesdiensten habe ich aber gemerkt, dass unser Glaubensbekenntnis und selbst das Vaterunser von vielen nicht gekannt werden. Ich möchte keineswegs beide Texte aus unseren Gottesdiensten entfernen, aber ein Hinweis, wo man im Gesangbuch diese Texte findet, oder ein Zettel mit den Texten könnte sehr einfach ein besseres Gemeinschaftsgefühl schaffen. Auch die klassischen, liturgischen Stücke unseres Gottesdienstes sind für mich klar verständlich. Damit gehöre ich aber zu einer Minderheit. Auch hier braucht es neue Formen, die unsere liturgische Tradition aufnehmen und in unsere Lebenswelt transportieren.

Lasst uns alle Kontakte und Begegnungen nutzen

In unserer kirchlichen Arbeit haben wir vielfältige Kontaktflächen – egal ob in gemeindlichen Gruppen oder im Umgang mit Angehörigen bei Kasualien. Zukünftig sollten wir noch öfter den Austausch genau mit diesen Menschen suchen, um unsere Angebote auch auf sie abzustimmen. Es gilt, sie nicht kritisch zu beäugen, sondern offen auf sie zuzugehen und sie in ihren Anliegen ernst zu nehmen. Damit ermöglichen wir ihnen nicht nur einen Anfang in dem Glauben, der uns schon unser Leben über trägt, sondern ermöglichen ihnen auch ein Wachsen in ihrem Glauben von Anfang an.

Lasst uns Ideen sammeln

Bestimmt kann ich in diesem Blogartikel nicht alle unsere Probleme lösen. Aber ich möchte ein Bewusstsein für den nötigen Wandel wecken. Wir sollten uns Folgendes viel öfter fragen: Wie wirkt das gerade auf Menschen, die zum ersten Mal bei uns zu Gast sind? Wir sollten nicht voraussetzen, dass alle unsere Bekenntnisse auswendig mitsprechen können. Warum bauen wir Schranken auf, indem wir dies voraussetzen? Gleiches gilt für Abläufe von Gottesdiensten. Unser Ziel sollte es sein, dass der Gottesdienst unsere Gefühle anspricht und nicht nur eine theologische Vorlesung ist. Das ist für mich ein niedrigschwelliger Zugang. Unsere Angebote außerhalb der Gottesdienste – Gruppen, Konzerte – sollten auch viel klarer mit dem Glauben verwoben werden. Genau diese Kontaktflächen gilt es, deutlich mehr auch für unsere Glaubenskommunikation zu nutzen. Wenn wir öfter genau diese Ansätze in den Blick nehmen, dann wird unser Bild einer Kirche für viele Menschen bestimmt farbiger.

Den Wandel als Chance begreifen

Wenn wir uns auf Neues einlassen, dann kann ein Wandel gelingen. Den Wandel, der auf uns zukommt, werden wir nicht abwenden können. Wir müssen ihn als Chance begreifen und die Zukunft heute aktiv mitgestalten.


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