Manchmal braucht es nur einen kleinen Impuls, um etwas zu tun, das man lange vor sich hergeschoben hat. Bei mir war es im Sommer ein Konzert mit einem Posaunisten. Es kam zu einer Begegnung mit einem alten Bekannten: dem Klavier. Ich ging raus aus meiner Komfortzone. Aber was bedeutet das eigentlich?
Wiedersehen mit dem Klavier
Seit meinem Examen hatte ich keine Klavierliteratur mehr öffentlich gespielt. Natürlich begleite ich regelmäßig, improvisiere, übe auch, aber das „klassische“ Klavierspiel, das Solospiel mit Brahms, Schumann oder Beethoven, das war für mich lange ein abgeschlossenes Kapitel. Klavier war nie mein Lieblingsfach, eher Pflicht als Leidenschaft. Für das Konzert sollte ich noch Solowerke beisteuern und mich reizte der Gedanke, mich noch einmal dieser Herausforderung zu stellen.
Zwischen Lampenfieber und Glücksmoment
Also stand ich vor ein paar Wochen mit Brahms auf der Bühne. Ich war aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Die Finger wollten nicht so geschmeidig wie im stillen Kämmerlein, die Gedanken rasten, und ich fragte mich im Stillen, warum ich mir das überhaupt antue. Aber dann, mitten im Spiel, kam dieser Moment, in dem sich alles fügte: die Musik floss, das Publikum war still, und ich spürte wieder, warum ich Musiker bin. Weil Musik lebendig wird, wenn man sie teilt. Rückblickend war es eine gute Entscheidung. Eine, die Mut gekostet hat und sich gelohnt hat.
Kisten, Abschied und Aufbruch
Ein ähnliches Gefühl begleitet mich auch gerade im Alltag: Ich stehe vor meinem Umzug nach Celle: ein neuer Ort, ein neuer Lebensabschnitt, viele Veränderungen. Auch hier heißt es nun raus aus der Komfortzone. Weg vom Vertrauten, hin zu etwas Neuem, Unbekanntem. Natürlich ist da auch Wehmut, aber noch mehr Vorfreude auf das, was kommt. Gespannt bin ich auf die Arbeit mit der Celler Stadtkantorei und auf die Möglichkeit in der Celler Stadtkirche zu musizieren. Ich freue mich darauf, dass ich neue Menschen kennen lernen kann. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich auf sie einstellen muss. Ich bin ein kommunikativer Mensch, aber ich brauche auch Zeit für mich. Ich hoffe, dass sich diese beiden Pole auch im neuen Umfeld gut ausbalancieren lassen. Diese Entscheidung brauchte Mut, und während wenn ich diesen Text schreibe, merke ich, dass ich diesen Mut manchmal noch einmal neu suchen muss.
Mut beginnt außerhalb der Komfortzone
Das bedeutet es für mich, dass ich meine Komfortzone verlasse. Ich stürze mich nicht ständig ins Extreme, ich bleibe sowohl äußerlich als auch innerlich bewusst in Bewegung. Die Komfortzone ist der Ort, an dem alles vertraut und sicher ist, aber auch meist vorhersehbar. Wenn wir sie verlassen, begegnen wir dem Ungewissen und dann wächst auch etwas Neues. Mut entsteht nicht aus Routine, sondern aus Vertrauen: dem Vertrauen, dass wir auch außerhalb des Gewohnten bestehen können. Manchmal zeigt sich dann gerade im Unbekannten, wer wir wirklich sind und was uns trägt.
Mut lohnt sich
Vielleicht ist das ja genau der Punkt: Wachstum passiert nie im Stillstand. Manchmal muss man etwas wagen, um Neues zu entdecken, egal ob auf der Bühne oder im Leben. Oft merkt man erst hinterher, wie gut es war, den Schritt zu gehen. Was meine neue Aufgabe in Celle betrifft freue ich mich sehr darauf die Komfortzone zu verlassen. Ich will ganz viel Neues wagen und daran wachsen.
